Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes/Jugendalters
 Universitätsmedizin Leipzig

Diagnostik

Die Diagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie orientiert sich nicht nur am Störungsbild des jeweiligen Patienten, sondern bezieht die gesamte kindliche/jugendliche Persönlichkeit einschließlich des sozialen Umfeldes in die diagnostischen Überlegungen ein.
Das multiaxiale Klassifikationsschema (Rutter et al., 1976; Remschmidt und Schmidt, 1986) mit seinen 6 Achsen ist ein gutes Instrument, um dies abzubilden:
  • Achse I: Klinisch-psychiatrisches Syndrom
  • Achse II: Umschriebene Entwicklungsrückstände
  • Achse III: Intelligenzniveau
  • Achse IV: Körperliche Symptomatik
  • Achse V: Abnorme psychosoziale Umstände
  • Achse VI: Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung

So wird auf der ersten Achse die psychische Symptomatik, wegen welcher der Patient vorgestellt wird, kodiert. Auf der zweiten Achse erfolgt die Kodierung des Entwicklungsniveaus bzw. möglicher Entwicklungsrückstände. Auf der dritten Achse wird das kognitive Leistungsvermögen abgebildet. Auf der vierten werden möglicherweise bestehende körperliche Besonderheiten, Symptome oder Erkrankungen kodiert. Die fünfte Achse bezieht sich auf das psychosoziale Umfeld, in welchem der Patient aufwächst. Die sechste Achse schließlich besagt, welche Einschränkungen für den Patienten aufgrund der kodierten Besonderheiten auf der Achse I bis V bestehen.

Eine komplette kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik umfasst also neben der körperlichen und neurologischen (entwicklungsneurologischen) Untersuchung, die psychiatrische und psychologische Untersuchung. Bei letzterer wiederum werden die Leistungsdiagnostik und die Persönlichkeitsdiagnostik, für die es eine Vielzahl relevanter standardisierter Verfahren gibt sowie auch die Diagnostik spezieller Beeinträchtigungen durchgeführt. Komplettiert werden all diese Untersuchungen durch paraklinische Verfahren wie Labordiagnostik, EEG, CT, MRT und weitere spezielle Untersuchungsmethoden, deren Einsatz sich nach dem jeweiligen Beschwerde- bzw. Symptombild des Patienten richtet. Die Aussagen von Lehrern, Erziehern und Ausbildern werden ebenso wie die Aussagen von Eltern bzw. Großeltern in das diagnostische Repertoire integriert. Wir unterscheiden eine Eingangsdiagnostik und eine Verlaufsdiagnostik.

Die Eingangsdiagnostik bildet die Baseline, um auch therapeutische Fortschritte im Verlauf besser verdeutlichen zu können.

Die diagnostischen Maßnahmen werden grundsätzlich mit den Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten vor Anwendung abgesprochen, ganz besonders wenn es sich nicht um Maßnahmen der Routinediagnostik, sondern um spezielle Untersuchungsverfahren handelt.

 
Letzte Änderung: 10.11.2009, 15:45 Uhr
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