Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes/Jugendalters
 Universitätsmedizin Leipzig

Verlaufsformen von Angst- und Depressionsstörungen vom Vorschul- zum Grundschulalter und deren Zusammenhang mit psychosozialen und biologischen Faktoren

Projektmitarbeiter: M.A. Yvonne Otto, Dr. phil. Annette Klein

Hintergrund: Mit 6-8 % im Vorschulalter (Haffner et al., 2002) und 10-14 % im Grundschulalter (BELLA-Studie) ist das Vorhandensein von ausgeprägten Angst- und Depressionssymptomen hoch. Dennoch gibt es bisher nur wenige Studien, die sich im Längsschnitt mit Verlaufsformen in diesem jungen Alter befassen. So ist wenig darüber bekannt, ob diese frühen emotionalen Symptome spätere Angst- und/oder Depressionsstörungen vorhersagen und falls ja, wie die Verlaufsdynamik ist. In unserer Studie wird eine bereits rekrutierte und im Verlauf zweimal untersuchte Stichprobe von Kindern mit emotionalen Symptomen zu einem dritten Erhebungszeitpunkt erneut untersucht und mit einer Gruppe von Kindern ohne emotionale Symptome verglichen. Ziele der Untersuchung sind:
1) die Beschreibung von Verlaufsmustern von emotionalen Symptomen,
2) die Identifizierung von psychosozialen, neurobiologischen und genetischen Prädiktoren für den Symptomverlauf,
3) die Analyse des Zusammenwirkens dieser Faktoren und der moderierenden Rolle des Geschlechts, sowie
4) die explorative Erforschung der Auswirkungen der emotionalen Symptome und Angst-/Depressionsstörungen auf Verhalten in sozialen Situationen mit Gleichaltrigen.
Die Stichprobe bestand bei der Ersterhebung aus Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren. Diese Kinder wurden im Alter von ca. 7 Jahren ein zweites Mal untersucht. Derzeit läuft die dritte Erhebung, die Kinder sind nun im Alter von 8 bis 9 Jahren. Die Erfassung von emotionalen Symptomen erfolgt zu allen drei Messzeitpunkten unter Anwendung eines Multi-Informanten-Ansatzes (Befragung von Eltern, Lehrern, Kindern). Zudem wird mit den Eltern ein standardisiertes diagnostisches Interview durchgeführt (1. und 3. Messzeitpunkt). Des Weiteren werden psychosoziale Faktoren, insbesondere das familiäre Umfeld, kritische Lebensereignisse, Beziehungen zu Gleichaltrigen und soziale Kompetenzen detailliert erfasst. Es werden Verhaltensweisen und biologische Reaktionen (z. B. Herzratenvariabilität) der Kinder in einer fiktiven sozialen Situation mit Gleichaltrigen erhoben.
Der längsschnittliche Ansatz mit drei Messzeitpunkten in der aus entwicklungspycho-logischer Sicht so wichtigen Übergangsphase vom Vorschul- ins Grundschulalter wird die Identifizierung von Störungsverlaufsmustern sowie Rückschlüsse auf die ätiologische Bedeutung biologischer, psychosozialer und genetischer Risiko- und Schutzfaktoren ermöglichen und damit eine Grundlage für die Verbesserung präventiver und therapeutischer Ansätze darstellen.

Gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 2009-2012, 2013-2016


 
Letzte Änderung: 19.02.2015, 16:33 Uhr
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