Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes/Jugendalters
 Universitätsmedizin Leipzig

AMIS - Analyzing pathways from childhood maltreatment to internalizing symptoms and disorders in children and adolescents


Seelische Entwicklung von Kindern nach stressvollen Lebenserfahrungen

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Laufzeit: 2012-2016

Projektkoordinator: Kai von Klitzing

Wissenschaftsteam: Dr. phil. Lars White, Dr. rer. med. Susan Sierau,
Dr. phil. Andrea Michel, Anna Andreas, Jan Keil, Dr. phil. Annette Klein

Kooperationspartner: TU Dresden (Clemens Kirschbaum), MPI für Psychiatrie, München (Marcus Ising), Amt für Jugend, Familie und Bildung, Leipzig (Dr. Nicolas Tsapos), Stadtjugendamt München (Maria Kurz-Adam)


1. Hintergrund des AMIS Forschungsprojekts

2. Was sind die Ziele von AMIS?

3. Wie ist AMIS aufgebaut?

4. Wie werden die Ergebnisse aus AMIS verwertet ?

5. Veröffentlichungen

1. Hintergrund des Forschungsprojekts

In der täglichen Arbeit von Medizinern, Psychologen und Sozialarbeitern werden viele Kinder und Erwachsene betreut, die an Langzeitauswirkungen stressvoller Lebenserfahrungen leiden. Dabei treten vor allem psychische Symptome wie Angst, Depression oder Verhaltensschwierigkeiten zutage.

Während eine Vielzahl betroffener Kinder mit solchen Problemen kämpft, entwickeln andere aus der Erfahrung stressreicher Lebenssituationen keine derartigen Schwierigkeiten. Einige gehen sogar gestärkt aus problematischen Erfahrungen hervor. Diese individuellen Unterschiede wurden bislang selten genau untersucht, können uns aber lehren, was einen erfolgreichen Umgang mit solchen stressvollen Erlebnissen möglich macht. So scheint es spezielle Rahmenbedingungen zu geben, von denen sich manche negativ (Risikofaktoren), andere hingegen gar nicht oder sogar positiv auswirken (Schutzfaktoren)

Vor allem für das Kindesalter ist noch wenig darüber bekannt, welchen Einfluss solche geistig-emotionalen und sozialen Rahmenbedingungen auf verschiedene Entwicklungswege haben und welche Rolle vererbte Merkmale spielen.

Um das zu ändern, rief die Bundesregierung 2010 ein neues Förderprogramm ins Leben. Forschungsverbünde konnten sich hier um Fördermittel bewerben. Der in Leipzig initiierte Verbund AMIS ("Analyse von Verlaufsmustern internalisierender Symptome nach frühen Stresserfahrungen"), erhielt nach positiver Bewertung durch ein internationales Wissenschaftlergremium den Zuschlag. AMIS ist ein Netzwerk aus Wissenschaftler der Universität Leipzig, der Technischen Universität Dresden, dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München sowie der Jugendämter der Städte Leipzig und München.
Die Forschung innerhalb des AMIS Verbunds wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 2,5 Mio. Euro gefördert.

2. Was sind die Ziele von ?

AMIS hat sich zum Ziel gesetzt, die Wege, die von stressreichen Lebenserfahrungen zu psychischen Auffälligkeiten und Störungen, aber auch zu Widerstandsfähigkeit führen, zu untersuchen.
Bisher haben Wissenschaftler zwar bereits einige Einzelfaktoren untersucht, jedoch ist gerade über deren Zusammenwirken im Kindesalter wenig bekannt. Darum steht die Erforschung des Zusammenspiels zwischen Merkmalen stressvoller Lebenssituationen, individueller Formen der Bewältigung, sozialer Unterstützung, hormoneller Reaktion, sowie vererbbarer Schutz- bzw. Risikofaktoren im Zentrum des AMIS-Projekts. So soll sich zukünftig das Risiko für Angst und Depression nach stressvollen Erfahrungen im Kindesalter besser bewerten lassen.

3. Wie ist das Projekt aufgebaut?

Um die bestehenden Wissenslücken zu schließen, hat AMIS ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern aus den Bereichen Medizin, Psychologie und Neurobiologie, sowie die Leiter zweier der größten deutschen Jugendämter in einem Netzwerk zusammengeführt.

Das AMIS-Konsortium setzt sich im Einzelnen aus Prof. von Klitzing (Kinderpsychiatrie, Universität Leipzig, Projektleitung), Professor Kirschbaum (Neurobiologie, TU Dresden), Dr. Marcus Ising (Epigenomik, MPI für Psychiatrie München), sowie den Leitern der Jugendämter München, Maria Kurz-Adam, und Leipzig, Dr. Nikolas Tsapos, zusammen. Ein Forschungsnetzwerk aus Experten der Grundlagenforschung und anwendungsorientierten Medizin sowie Sozialarbeitern ist auf diesem Gebiet in Deutschland einmalig.

Im Verlauf von AMIS werden in 4 großen Stichproben insgesamt über 800 Kinder untersucht. Alle Kinder und ihre Eltern durchlaufen dabei intensive Interviews und füllen ebenso wie ihre Lehrer, umfangreiche Fragenbögen aus. Zudem werden Berichte des Jugendamts ausgewertet sowie neurobiologische und genetische Muster analysiert.

4. Ausblick: Wie werden die Ergebnisse aus verwertet?

Um die Ergebnisse der Forschungsarbeit produktiv zu verwerten, soll durch AMIS eine wissenschaftlich fundierte Basis für den Umgang mit Kindern, die von stressvollen Lebenserfahrungen betroffen sind, entstehen. Die psychosozialen und neurobiologischen Mechanismen, die mit solchen Erlebnisse einhergehen, sollen genauer verstanden werden. Ziel ist es verbesserte Methoden für die Behandlung betroffener Kinder zu entwickeln.

Diese Ergebnisse werden Fachleuten ermöglichen bessere und schnellere Entscheidungen zu treffen, ob ein Kind intensive Behandlung benötigt und welche Maßnahmen sich dafür am besten eignen. Zusätzlich wird der Erkenntnisgewinn öffentlichen Institutionen helfen, ihre limitierten Ressourcen effektiv für bedürftige Kinder einzusetzen.

Team Leipzig


v.l.n.r. Susan Sierau, Anna Andreas, Jody T. Manly, Andrea Michel, Jan Keil, Lars White


5. Veröffentlichungen

White, L.O., Ising, M., von Klitzing, K., Sierau, S., Klein, A.M., Müller-Myhsok, B., Manly, J.T., Crowley, M.J., Kirschbaum, C., & Stalder, T. (accepted). Attenuated hair cortisol after maltreatment mediates externalizing symptoms in middle childhood and adolescence. Journal of Child Psychology and Psychiatry.

Keil, J., Michel, A., Sticca, F., Leipold, K., Klein, A. M., Sierau, S., von Klitzing, K., & White, L. O. (in press). The Pizzagame: A virtual public goods game to assess cooperative behavior in children and adolescents. Behavior Research Methods. doi: 10.3758/s13428-016-0799-9

Sierau, S., Brand, T., Manly, J.T., Michel, A., Klein, A.M., Andreas, A., Quintero Garzón, L., Keil, J., Binser, M., von Klitzing, K., & White, L.O. (in press). A multi-source approach to assessing child maltreatment from records, caregivers, and children. Child Maltreatment. doi: 10.1177/1077559516675724

Sierau, S., Aurich, J., Rothe, C., Resch, L., Horlich, J., Giourges, E., Costa, A., White, L. O., Binser, M., Kurz-Adam, M., von Klitzing, K. (2016). Forschung über multiproblembelastete Familien: Herausforderungen bei ihrer Motivierung zur Teilnahme an Forschungsvorhaben. Soziale Arbeit, 1, 9-17.

von Klitzing, K., Goldbeck, L., Brunner, R., Herpertz-Dahlmann, B., Konrad, K., Lohaus, A., Heim, C., Heinrichs, N., & Schäfer, I. (2015). Folgen von Misshandlung im Kindes- und Jugendalter. Trauma & Gewalt, 2, 122-133.

White, L. O., Klein, A. M., Kirschbaum, C., Kurz-Adam, M., Uhr, M., Müller-Myhsok, B., Hoffmann, K., Sierau, S., Michel, A., Stalder, T., Horlich, J., Keil, J., Resch, L., Andreas, A., Binser, M., Costa, A., Neudecker, E., Giourges, E., Wolf, C., Scheuer, S., Ising, M., & von Klitzing, K. (2015). Analyzing pathways from childhood maltreatment to internalizing symptoms and disorders in children and adolescents (AMIS): A study protocol. BMC Psychiatry, 15, 126.

Horlich, J., Dehmel, S., Sierau, S., White, L. O., & von Klitzing (2014). Das Maltreatment Classification System (MCS). Ein Modell zur Kategorisierung von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (Teil 1). Soziale Arbeit, 6, 202-210.

Horlich, J., Dehmel, S., Sierau, S., White, L. O., & von Klitzing (2014). Das Maltreatment Classification System (MCS). Ein Modell zur Kategorisierung von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (Teil 2). Soziale Arbeit, 7, 242-249.

Michel, A., Keil, J., Andreas, A., White, L. O., Sierau, S., Costa, A., Kurz-Adam, M., Tsapos, N., & Klein, A. (2014). Folgen von Vernachlässigung im Kindes-und Jugendalter. Monatsschrift Kinderheilkunde, 162 (12), 1090-1096. doi 10.1007/s00112-014-3144-3

Sierau, S., Resch, L., Michel, A., Horlich, J., Dehmel, S., Tsapos, N., Binser, M., Kurz-Adam, M. & White, L. O. (2014). Definition und Beschreibung von Vernachlässigung im Kindes-und Jugendalter. Monatsschrift Kinderheilkunde, 162 (12), 1084-1089. doi 10.1007/s00112-014-3143-4

 
Letzte Änderung: 23.01.2017, 11:25 Uhr
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