Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes/Jugendalters
 Universitätsmedizin Leipzig

Abgeschlossene Projekte

Pro Kind Sachsen: Follow-Up Untersuchung zur mittelfristigen Wirksamkeit des Hausbesuchsprogramms Pro Kind anhand eines randomisierten kontrollierten Forschungsdesigns

Kooperationspartner: Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e. V. (Dr. Sören Kliem, Prof. Dr. Christian Pfeiffer), Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (Dr. Malte Sandner), Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation, Universität Rostock (Prof. Dr. Tanja Jungmann)

Das Hausbesuchsprogramm Pro Kind wurde von 2006 bis 2012 in drei deutschen Bundesländern (Bremen, Niedersachsen und Sachsen) eingeführt und anhand einer Längsschnittstudie bis zum dritten Lebensjahr der Kinder evaluiert. Teilnehmerinnen waren insgesamt 755 psychosozial benachteiligten Erstgebärende (davon n=394 Frauen in der Begleitgruppe und n=361 in der Kontrollgruppe, randomisiert zugewiesen). Pro Kind basiert auf dem in den USA erfolgreich etablierten und wirksamen „Nurse Family Partnership" Programm zur Förderung von Müttern in finanziellen und sozialen Problemlagen. Internationale Studien zeigen, dass vergleichbare Hausbesuchsprogramme i.d.R. relativ kleine Kurzzeiteffekte aufweisen, aber zumeist mittel- und langfristig größere Effekte zu Tage treten. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher, mittels einer Follow-Up-Messung die mittelfristige Effektivität des Hausbesuchsprogramms Pro Kind bei Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren zu überprüfen. Erwartet werden positive Auswirkungen auf die Familien insgesamt, die Mutter-Kind Beziehung, die Erziehungskompetenz sowie auf die Entwicklung der Kinder. Des Weiteren werden Einsparungen im Gesundheits- und Sozialsystem angenommen, die sich aus einer verbesserten Gesundheit und reduzierten staatlichen Sozialleistungen ergeben. Interdisziplinäre Fragestellungen der Entwicklungspsychologie, Gesundheitsökonomie und Kriminologie sollen beantwortet werden.

Gefördert durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Projektmitarbeiter: Dipl.-Psych. Verena Dähne, Dr. phil. Annette Klein, Prof. Dr. Kai von Klitzing
Laufzeit: 2014-2017

Children of mentally ill parents (CHIMPs) - Implementierung und Evaluation eines familienbasierten Interventionsprogrammes für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern

Um seelische Belastungen von Kindern und Jugendlichen psychisch erkrankter Eltern so früh wie möglich zu erkennen und die betroffenen Familien zu unterstützen, wurde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die manualisierte Familienintervention CHIMPs (Children of mentally ill parents) für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern von 4-18 Jahren entwickelt. Im Rahmen eines Verbundprojektes unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe (Hamburg) wurde die CHIMPs-Familienintervention an mehreren Zentren implementiert und evaluiert, darunter die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters der Universität Leipzig. Weitere beteiligte Zentren: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Universität Duisburg/Essen, Universität Ulm, Vitos Klinik Rheinhöhe, Vitos Klinikum Rheingau. Die zentralen Ziele der Intervention bestanden darin, die psychische Gesundheit und Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen von psychisch kranken Eltern zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Implementierung und Evaluation fließen in eine Überarbeitung und Erweiterung des vorliegenden Manuals ein.

Gefördert durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Projektmitarbeiter: Dipl.-Psych. Katja Kolmorgen, Dr. med. Eva Hammerstein, Dr. phil. Annette Klein, Prof. Dr. Kai von Klitzing
Laufzeit: 2014-2017

Adipöse Eltern - adipöse Kinder. Psychologisch-psychiatrische Risikofaktoren elterlichen Verhaltens und Erlebens für die Entwicklung einer Adipositas bei Kindern im Alter von 0-3 Jahren

Dieses Forschungsprojekt fand im Rahmen des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen statt.

In dem Projekt bestand das Ziel darin, die Gewichtsentwicklung von Kleinkindern über mehrere Jahre hinweg zu beschreiben und Risiko- und Schutzfaktoren für das Auftreten kindlicher Adipositas zu identifizieren. Dabei stehen sowohl biologische als auch psychologische Faktoren, die pränatal oder in den ersten drei Lebensjahren des Kindes auftreten, im Fokus. Basierend auf Entwicklungs- und Gesundheitspsychologischen Modellen wurden biologische und psychologische Merkmale auf drei Ebenen berücksichtigt: Das Kind, die Eltern sowie die Eltern-Kind-Beziehung. Auf der Ebene des Kindes untersuchten wir die physische und geistige Entwicklung und bezogen Temperament sowie regulatorische Fähigkeiten ein. Auf der Ebene der Eltern berücksichtigten wir mögliche Einflussfaktoren wie die Ernährung des Kindes, Einstellungen zur Elternschaft und zur Ernährung, psychische Symptome der Eltern (Depression), elterlichen Stress sowie Verhaltensweisen und Lebensstil der Eltern. Weiterhin untersuchten wir Eltern-Kind-Interaktionen in zwei unterschiedlichen Kontexten (Spielen und Füttern), wobei angenommen wurde, dass adipöse Eltern sich in diesen Interaktionen anders verhalten als normalgewichtige Eltern. Als Ergebnisvariable untersuchten wir die Verläufe der Gewichtsentwicklung der Kinder, insbesondere die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas. Ausgehend von den Ergebnissen bezüglich der identifizierten Risikofaktoren wird ein Risikomodell erstellt, welches Grundlage für die Erarbeitung eines Interventions- und Präventionsprogramms für Risikokinder in den ersten fünf Lebensjahren sein wird.

Gefördert durch: Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Projektmitarbeiter: Dr. Verena Wendt, Dipl.-Psych. Sarah Bergmann, Dipl.-Psych. Anja Keitel-Korndörfer, Dr. Annette Klein, Dr. Matthias Grube, Prof. Dr. Kai von Klitzing.
Laufzeit: 2010-2015

Projekt "Biologische und psychosoziale Grundlagen von Imitation, gemeinsamer Aufmerksamkeit und Kooperation"

Gemeinsame Aufmerksamkeit, Imitation und Kooperation sind drei evolutionär und sozio-kulturell essentielle Fähigkeiten, die es Menschen ermöglichen, miteinander zu kommunizieren, voneinander zu lernen oder etwas gemeinsam herzustellen. Bisher gibt es einige Erkenntnisse zur Entwicklung dieser Fähigkeiten bei typisch entwickelten Kindern. Wir wissen jedoch wenig über die Entwicklung bei Kindern mit Störungen aus dem autistischen Formenkreis oder bei Kindern, die sehr stressvolle Lebensereignisse erlebt haben. Erkenntnisse über die jeweiligen Entwicklungsmechanismen würden aber relevante Informationen für die Entwicklung und Verbesserung effektiver Interventionsmethoden für diese Kinder liefern.
Dieses Projekt verfolgte daher das Ziel, die Entwicklung der oben genannten Fähigkeiten in drei verschiedenen repräsentativen Stichprobengruppen im Alter zwischen 2;6 und 5;11 Jahren zu untersuchen: autistische Kinder, Kinder mit stressvollen Lebensereignissen, typisch entwickelte Kinder. Damit sollten relevante Erkenntnisse über kognitive und soziale Grundlagen von Kooperation einerseits und zu potentiell entwicklungshinderlichen und -förderlichen Faktoren andererseits gewonnen werden. Hierbei gab es folgende Projektziele:
Ziel 1: Biologische Grundlagen von Kooperation: Eine wesentliche Fragestellung lautet, ob Kinder mit einer autistischen Störung tatsächlich den sozialen Charakter von Kooperation inklusive gemeinsamer Ziele und Handlungen verstehen.
Ziel 2: Psychosoziale Grundlagen von Kooperation: Es ist bisher nicht bekannt, ob Erfahrungen mit stressvollen Lebensereignissen in der Ontogenese die Entwicklung von kooperativen Fähigkeiten beeinflussen. Aus diesem Grund sollte untersucht werden, ob diese Kinder generell eher gehemmt in der sozialen Interaktion sind und daher weniger kooperieren oder aber sehr motiviert auf Angebote von Kooperation reagieren und daher ein eher sozial distanzgemindertes und aufmerksamkeitssuchendes Verhalten zeigen.
Ziel 3: Entwicklungspsychologische Grundlagen von Kooperation: Es wäre möglich, dass eventuelle Defizite, die Kinder in den kooperativen Verhaltensstudien aufweisen könnten, auch durch Defizite in grundlegenderen Fähigkeiten wie Gemeinsamer Aufmerksamkeit und Imitation begründet werden könnten. Daher sollten in weiteren spielerischen Verhaltensstudien die Ausprägung dieser sozial-kognitiven Fähigkeiten erfasst werden.

Gefördert durch Nachwuchsfördermittel der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig (Dr. Maria Gräfenhain).
Projektmitarbeiter: Dr. Maria Gräfenhain, Angela Loose, Prof. Dr. Kai von Klitzing.)

Kooperationspartner und wissenschaftlich/klinische Beratung: Prof. Michael Tomasello (MPI für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig); Prof. Dr. Christine Freitag (Universität Frankfurt/Main); Prof. Dr. Felix Warneken (Harvard University, USA)

Laufzeit: 2013-2014

Psychoanalytische Kurzzeittherapie (PaKT) für Kinder im Alter von 4-10 Jahren mit emotionalen Symptomen und affektiven Störungen - Evaluation von Wirksamkeit, Anwendbarkeit und Indikation

Psychodynamische Behandlungsansätze finden im klinischen Versorgungskontext der Kinder- und Jugendpsychiatrie breite Anwendung. Es gibt jedoch bisher nur wenige Untersuchungen, die sich mit der systematischen Evaluation der Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter befassen. Kurzzeittherapie stellt eine Strategie dar, einer großen Anzahl von Kindern mit emotionalen Symptomen (Depressivität, Ängstlichkeit, dysphorische Stimmung, soziale Gehemmtheit, Somatisierungsneigung) und affektiven Störungen Hilfe anzubieten.
In dieser Studie wurde die manualisierte psychoanalytische Kurzzeittherapie (PaKT) für Kinder im Alter von 4-10 Jahren systematisch evaluiert und mit einer Wartekontrollgruppe verglichen. Therapiekonzept: Die PaKT umfasst 20-25 psychotherapeutische Sitzungen in wechselnden Settings (Therapeut-Eltern-Kind, Kind alleine, Eltern alleine), in welchen ein dem Symptom zugrundeliegendes Beziehungsthema erarbeitet und bearbeitet wird. Ausgehend von psychoanalytischen Therapiekonzepten nehmen wir zwei Wirkfaktoren an: zum einen zielt die Therapie auf eine Veränderung der mentalen Repräsentationen und damit der kognitiv-emotionalen Stile des Kindes ab, zum anderen soll durch regelmäßige psychoanalytisch orientierte Elternarbeit die Einsicht der Eltern in innere mentale Zustände des Kindes, also die Mentalisierung der Eltern in Bezug auf ihr Kind verbessert werden.
Es wurden 30 Kinder im Alter von 4-10 Jahren mit Angststörungen mit und ohne Komorbidität untersucht und behandelt, wobei Datenerhebungen vor Beginn der Wartezeit (t0, nur in Wartekontrollgruppe), direkt vor der Behandlung (t1), nach Therapieende (t2) und ein halbes Jahr später (t3) stattfanden. Hierbei wurden klinische Interviews durchgeführt (Preschool Age Psychiatric Assessment), die Mentalisierungsfähigkeit der Mütter erfasst (Parent Development Interview, Reflective Functioning) als auch eine große Bandbreite von Fragebögen (Eltern- und Lehrerbericht) und Verfahren mit den Kindern (Puppeninterview, Geschichtenstammmethode) eingesetzt. Es zeigten sich Verbesserungen hinsichtlich der Symptomatik (im Eltern-, Lehrer- und Kindbericht) sowie auf Störungsebene: Über die Hälfte der behandelten Kinder wiesen nach der Therapie keine Diagnose einer psychischen Störung mehr auf.

Gefördert durch: Heidehof Stiftung GmbH
Projektmitarbeiter: Dipl.-Psych. Tanja Göttken, M. Sc. Lars White, Dr. phil. Annette Klein, Prof. Dr. Kai von Klitzing
Laufzeit: 2009-2012

Psychosoziale Evaluation des Präventionsprogramms „Pro Kind"

Kooperationspartner: Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen e.V.: Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Vivien Kurtz, Tilman Brand sowie der Leibniz Universität Hannover: PD Dr. Peter Lutz, Malte Sandner und der Medizinischen Hochschule Hannover: Prof. Dr. H. Günay, Peggy Herrmann.
Leitung der Begleitforschung des Projektes: Prof. Dr. Tanja Jungmann (Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation, Universität Rostock)

Bei „Pro Kind" handelt es sich um ein Forschungsprojekt, das ein theoriebasiertes Frühpräventionsprogramm intensiver aufsuchender Familienbegleitung für junge Mütter in Risikosituationen evaluierte. Das Projekt ist eingebunden in das Aktionsprogramm „Frühe Hilfen" und zugleich Teil des Landesprojektes „Netzwerke für Kinderschutz". Nach Hannover und Bremen repräsentiert Sachsen das erste neue Bundesland, in dem das Projekt ab Januar 2008 gestartet ist. Hauptziele des Betreuungskonzeptes sind die gesundheitliche und entwicklungspsychologische Prävention bereits während der Schwangerschaft, die frühe Förderung der kognitiven, emotions- und verhaltensregulatorischen Entwicklung des Kindes, die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz sowie die Unterstützung der elterlichen Alltagsbewältigung und Lebensplanung auf Basis der Ökologischen Theorie Bronfenbrenners (1992), der Selbstwirksamkeitstheorie Banduras (1977, 1982) und der Bindungstheorie Bowlbys (1969).

Die Zielgruppe des Projekts in Sachsen stellten 200 erstgebärende Schwangere (Aufnahme von der 12. bis zur 28. Schwangerschaftswoche) dar, die Alg II- bzw. Sozialhilfeempfängerinnen sind und die sich zudem in einer psychosozialen Problemlage befinden - z. B minderjährig sind, keine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung besitzen, familiäre Gewalterfahrungen haben, (sucht-)krank oder sozial isoliert sind.
In einem randomisierten Kontrollgruppendesign werden die Hälfte der Teilnehmerinnen der Begleitgruppe und die andere Hälfte der Kontrollgruppe zugewiesen. Die Frauen, die zur Begleitgruppe gehören, werden regelmäßig von einer Hebamme und einer SozialpädagogIn (Teammodell) oder durchgängig von einer Hebamme zu Hause besucht bis das Kind 2 Jahre alt ist. Das Betreuungskonzept basiert auf dem in den USA bewährten Nurse-Family-Partnership (NFP)-Programm (Olds et al., 1998, 1999) und wird in Sachsen vom Felsenweg-Institut der Karl Kübel Stiftung in Dresden implementiert.

Die Begleitforschung umfasst die psychosoziale Evaluation der Programmwirksamkeit, die ökonomische Kosten-Nutzen-Analyse und die Implementationsforschung zur Überprüfung der Umsetzung. Alle Teilnehmerinnen (Begleit- und Kontrollgruppe) werden zu zwei Erhebungszeitpunkten während der Schwangerschaft (bei der Aufnahme der Mutter in das Projekt und in der 36. SS) sowie zu drei Erhebungszeitpunkten nach der Geburt des Kindes (6.-8. und 14.-18. Lebensmonat, 3. Lebensjahr) befragt und die Kinder entwicklungspsychologisch getestet, um eine Evaluation des Präventionsprogramms durchzuführen. Erfasst werden Variablen wie Gesundheitsverhalten, Entwicklung der soziodemografischen Gegebenheiten, Informationen zu sozialen Unterstützungsnetzen, Aspekte der Mutter-Kind-Beziehung und die Erfassung der kognitiven Entwicklung, insbesondere der Sprachentwicklung des Kindes.

Gefördert durch: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Freistaat Sachsen, Dürr-Stiftung, Reimann-Dubbers-Stiftung und Tui-Stiftung

Projektmitarbeiter: Dr. rer. med. Susan Sierau, Dr. phil. Annette Klein, Prof. Dr. Kai von Klitzing
Laufzeit: 2008-2012

Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern: Versorgungsbedarf für familienorientierte Prävention, Implementierung innovativer Versorgungsangebote und deren schrittweise Evidenzbasierung

Verbundprojekt an den Standorten Hamburg, Berlin, Heidelberg, Magdeburg und Leipzig

Innerhalb des von der Deutschen Krebshilfe finanzierten Verbundprojekts wird an der KJP Leipzig das Teilprojekt „Indikation und Prozess kindzentrierter psychodynamischer Kurzzeittherapie zur Stützung von Elternfunktion und kindlicher Entwicklung in Familien mit einem krebskranken Elternteil" durchgeführt. Dabei wird eine „Familiensprechstunde für Kinder krebskranker Eltern" eingerichtet. Familien mit einem krebskranken Elternteil und Kindern im Alter von 0 - 18 Jahren werden hier durch ein spezialisiertes Beratungsangebot psychotherapeutisch begleitet. Eine Vernetzung zu Ärzten, onkologische Stationen, Beratungsstellen etc. soll aufgebaut werden, damit krebserkrankte Eltern Unterstützung in ihrer Elternfunktion und betroffene Kinder Zugang zu frühzeitiger therapeutischer Begleitung finden. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung wird das neu zu implementierende Angebot evaluiert. In klinischen Interviews und Fragebögen werden Variablen zu psychischen Belastungen, Auffälligkeiten und Störungen, zu Lebensqualität, Krankheitsverarbeitung, Coping, Familienfunktion sowie zum Therapieerfolg erhoben und ausgewertet. Dabei werden Kinder, Eltern und Therapeuten befragt. Ein weiteres Ziel ist die Identifikation von spezifischen Indikationskriterien für entweder familien-, eltern- oder kindorientierte Intervention. Zentrale Fragestellungen sind: Welches sind Indikationskriterien für familienorientierte vs. kindorientierte vs. elternorientierte Settings? Wie gestalten sich Prozess und Verlauf der Interventionen je nachdem, wie das Setting ausgerichtet ist? Wie verändern sich bestimmte Kriterien wie Belastungen, psychische Symptome, Krankheitsverarbeitung und Kommunikation in Abhängigkeit von der Intervention? Anhand verschiedener altersgruppenspezifischer Erhebungsmethoden soll evaluiert werden, inwieweit die Interventionen Verbesserungen für die Eltern, Kinder bzw. die Familie erbracht haben. Zudem werden Indikation und Prozess der Intervention untersucht.

Gefördert durch: Deutsche Krebshilfe e. V.
Projektmitarbeiter: Dipl. Psych. Gabriele Koch, Dipl. Psych. Sascha Weis, Dipl. Psych. Stefanie Dieball
Laufzeit: 2009-2012

Adoleszenz und Elternschaft - Triadische Kompetenzen und die Qualität der Interaktion zwischen minderjährigen Eltern und ihren Säuglingen

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, ob verschiedene Formen von gelebter, beziehungsweise konzeptualisierter Partner- und Vaterschaft Einfluss auf die Qualität der Interaktion adoleszenter Eltern und ihrer Kinder haben. Darüber hinaus werden bekannte Einflussfaktoren auf die Güte der Eltern-Kind-Interaktion zudem im Sinne von Kontrollvariablen erhoben, wobei davon auszugehen ist, dass diese Risikofaktoren bei adoleszenten Schwangeren und Müttern ebenso wirken wie in anderen bereits eingehend untersuchten Populationen. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung werden drei Ziele verfolgt: Erstens soll deskriptiv die soziale und psychische Situation einer möglichst repräsentativen Gruppe von 30 (werdenden) adoleszenten Müttern und Vätern in Bezug auf die oben angegebenen Risikofaktoren möglichst repräsentativ erfasst werden. Dabei sollen Interaktionsspezifika zwischen Eltern und Kind beschrieben und die Entwicklung des Säuglings beobachtet werden. Ziel ist eine Erfassung des Status quo in Bezug auf Mütter, Väter und Säuglinge. Zweitens werden Hypothesen überprüft zum Zusammenhang zwischen Charakteristika der Triadischen Kompetenzen bei Adoleszenten und der Qualität der frühen Elternschaft sowie der kindlichen Entwicklung. Drittens sollen in einem explorativen Untersuchungsteil spezifische Hypothesen zu psychologischen Funktionen von Elternschaft für die Adoleszenzentwicklung generiert werden. Die Frage, ob die Elternschaft an Stelle nicht bewältigter Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz tritt oder auch eine Ressource darstellen kann, die die gelungene Bewältigung alterstypischer Aufgaben begünstigt, ist von hoher klinischer Relevanz. In diesem Zusammenhang soll die geplante Untersuchung Einblicke liefern und zur Entwicklung einer Interventionsstrategie für Leipzig beitragen, die vorhandene Angebote und individuellen Bedarf integriert.

Promotionsprojekt von Dipl. Psych. Eva Lehmann, gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes
Laufzeit: 2008-2011

Emotionale Störungen im Vorschulalter: Zusammenhang zu psychosozialen und biologischen Risikofaktoren

Depressionen stellen eine der häufigsten psychischen Störungen im Erwachsenenalter dar. Retrospektive Studien weisen darauf hin, dass die ersten Symptome bereits im Kindesalter auftreten. Mit dieser Studie sollen Kinder im Vorschulalter mit emotionalen Störungen untersucht und der Zusammenhang zu psychosozialen Belastungen und biologischer Vulnerabilität analysiert werden. Hierbei werden Symptome, Familienbeziehungen, Peer-Beziehungen und sozial-kognitive Fähigkeiten erfasst, wobei die Kinder selbst, ihre Eltern und Erzieher als Informanten dienen. Des Weiteren werden die HPA-Achsen-Regulation und die Schlafeffektivität der Kinder als Risikofaktoren untersucht. Damit sollen spezifische Hypothesen getestet werden.

Gefördert innerhalb des 1. Forschungsprogramms der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig (formel.1-Programm; Dr. Annette Klein)
Projektmitarbeiter: Dr. Annette Klein, Yvonne Otto, Prof. Dr. Kai von Klitzing
Laufzeit: 2008 

Kooperationsprojekte

Psychiatrische Symptome und psychosoziale Stärken von Kindergartenkindern

Kooperationsstudie mit dem Psychologischem Institut der Universität Zürich (Prof. Dr. Sonja Perren) und der Kinder- und Jugendpsychiatrische Universitätsklinik Basel (Dr. phil. Stefanie Stadelmann)

Ziel dieser Studie ist die Erfassung des Zusammenhanges zwischen Verhaltenssymptomen, psychosozialen Stärken und sozialen Beziehungen im Kindergarten- bis Schulalter. In einer longitudinalen prospektiven Studie wurden 148 Kinder ohne und 30 Kindern mit psychischen Symptomen untersucht, jeweils zu 3 Erhebungszeitpunkten: 1. Erhebungszeitpunkt im Alter von 5 Jahren, 2. Erhebungszeitpunkt im Alter von 6 Jahren, 3. Erhebungszeitpunkt im Alter von 9 Jahren.
Folgende Instrumente wurden eingesetzt: Eltern- und Lehrerfragebögen zu Symptomen und sozialen Beziehungen, Kinderinterview zur Selbstwahrnehmung (Berkeley Puppet Interview) und Gleichaltrigenbeziehungen, Peer nomination zur Erfassung der sozialen Struktur im Kindergarten, Eltern- und Kinderinterviews zur psychopathologischen Diagnostik (Kinder-DIPs), Spielnarrative (MacArthur Story Stem Battery), kognitive Tests.
Die bisherigen Ergebnisse zu den ersten zwei Erhebungszeitpunkten zeigen, dass das Ausmaß der psychischen Symptome stabil blieb. Bei rund einem Fünftel der Kinder fanden sich persistierende Symptome. Das prosoziale Verhalten der Kinder verbesserte sich im Durchschnitt signifikant. Versteht man Narrative als Abbild der repräsentationalen Welt der Kinder, spiegeln die zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten signifikant verbesserten narrativen Fähigkeiten einen kognitiven und emotionalen Reifungsprozess wider. Ein von Konflikten und fehlender Wärme geprägtes familiales Beziehungsklima stellte ein Risikofaktor für anhaltende psychische Störungen dar. Schließlich zeigte es sich auch, dass eine Zunahme von Viktimisierung in der Peer-Gruppe mit einer Zunahme von psychischen Symptomen einherging. Das Ergebnis, dass ein großer Teil der psychischen Symptome trotz einer Verbesserung der sozialen und kognitiven Kompetenzen stabil blieben, spricht dafür, dass diese frühen Störungen klinisch ernst zu nehmen sind und therapeutische Interventionen so früh wie möglich einsetzen sollten.

Gefördert durch: Schweizerischer Nationalfonds (Nr. 3200-6678, 355100-11672), Freie Akademische Gesellschaft Basel, Novartis-Stiftung.

Neurobiologische Symptome bei Kindergartenkindern

Kooperationsprojekt mit der Psychiatrischen Universitätspoliklinik Basel (PD Dr. med. M. Hatzinger) und den Universitären Psychiatrischen Klinik Basel (Prof. Dr. med. E. Holsboer-Drachsler)

In einer longitudinalen Studie wurden basale und stressinduzierte Funktionen des HPA (hypothalamic-pituitary-adrnenocortical) Systems bei 102 Kindergartenkindern (59 Jungen, 43 Mädchen) untersucht. Darüber hinaus wurden intensive psychologische und psychosoziale Erhebungen durchgeführt. Die basale HPA-System-Aktivität der Mädchen war signifikant höher, als die der Jungen. Die basale Aktivität (gemessen durch Kortisol im Speichel nach dem Aufwachen) war positiv assoziiert mit einer hohen Kortisolausschüttung unter Stress, wobei Mädchen erneut höhere hormonelle Reaktionen zeigten. Die HPA-Aktivität korrelierte signifikant mit der Hyperaktivität/Impulsivität bei Jungen und mit positiven emotionalen Erzählungen in einer Geschichtenstammuntersuchung bei Mädchen. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es schon in der frühen Entwicklung signifikante neurobiologische Veränderungen gibt, welche bereits im Alter von 5 Jahren geschlechtsspezifisch sind. Zur Zeit wird eine follow-up-Untersuchung der Kinder unter Verwendung des Trierer Stresstestes durchgeführt, um zu evaluieren, ob diese Marker die Entstehung von psychischen Störungen vorhersagen. Eine Subgruppe von 82 Kindern wurde mittels eines Aktigrafiemonitorings an 7 aneinanderfolgenden Tagen und Nächten untersucht. Bei 15 % der untersuchten Kinder zeigten sich ungünstige Schlafmuster, welche mit einer erhöhten HPA-Aktivität und vermehrten psychischen Symptomen assoziiert waren.

Gefördert durch: Schweizerischer Nationalfonds (Nr. 32-68193.02)

Triadeninterview/Triadic Interview

Interview zur Erfassung triadischer Beziehungskompetenzen in der frühen Kindheit (Interviewleitfaden und Auswertungsmanual entwickelt von Kai von Klitzing, Dieter Bürgin und Heidi Simoni)

In einer longitudinalen Studie an 80 Elternpaaren und ihrem ersten Kind wurde der Zusammenhang untersucht zwischen während der Schwangerschaft vorhandenen elterlichen psychopathologischen Symptomen sowie den elterlichen Einstellungen gegenüber dem zukünftigen Kind, Parametern der Familienbeziehung und der Entwicklung des Kindes bis zum 3. Lebensjahr. Mittels des Triadeninterview wurde die Fähigkeit der Eltern, das Kind als Drittes bereits auf der Vorstellungsebene in ihre Beziehungswelt zu integrieren (Triadische Kompetenz) in operationalisierter und standardisierter Weise erfasst. Die Triadische elterliche Kompetenz erwies sich von der Pränatalzeit bis ein Jahr nach der Geburt als relativ stabil.Diese beziehungsdynamisch relevanten Parameter sagten wesentliche Aspekte der frühen Eltern-Kind-Interaktion und der späteren Entwicklung des Kindes vorher.

Gefördert durch: Schweizerischer Nationalfonds (Nr. 32-49634.96)

 
Letzte Änderung: 12.02.2018, 16:45 Uhr
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